Radfahren in Südafrika - Ein Bericht von Peter

Gefährlich, Waffen, gepanzerte Autos, Townships sind zumeist die Dinge, die vielen als erstes in den Sinn kommt, wenn das Gespräch auf Südafrika kommt um nur ein paar zu nennen. Als Nächstes kommt das Gespräch dann auf die herrliche Landschaft, das Kap, Safaris mit wilden Tieren und vielleicht noch den guten Wein der im südlichsten Land des Afrikanischen Kontinents vielerorts angebaut wird.

 

Als ich ankündigte zu meinem geplanten achtwöchigen Praktikum in Kapstadt mein Rennrad mitzunehmen, stieß ich deshalb meist auf ungläubige und verständnislose Blicke, wobei man die ja als Radfahrer auch bei Schilderungen des gewöhnlichen Trainings und Wettkampf des Öfteren erntet. Auf der anderen Seite ist wohl bekannt, dass einige Radprofis die entgegengesetzten Jahreszeiten gerne regelmäßig zur Saisonvorbereitung ausnutzen. Und spätestens seit MTN Qhubeka als südafrikanischer Zweitdivisionär auch den europäischen Rennkalender aufmischt ist davon auszugehen, dass Radsport in Südafrika einen Platz in der nationalen Sportlandschaft haben muss.

 

Nach acht Wochen in Kapstadt kann ich dies absolut bestätigen und bin mir schon jetzt sicher, dass ich wieder kommen werde - mit Rad! Klar ist ein Radtraining nicht ganz mit jenem in Deutschland zu vergleichen, es gibt in der Tat Gegenden, die man als Radfahrer absolut meiden sollte. Allerdings ist es nicht schwierig jene ausfindig zu machen und das tägliche Training dementsprechend zu planen. Ich selbst wohnte während meiner Zeit in Rondebosch, einem sehr schönen und ruhigen Stadtteil am östlichen Fuße des Tafelbergs, etwa 10km vom Stadtzentrum entfernt. Während meiner Zeit, trainierte ich fast ausschließlich auf der Kaphalbinsel. Diese war von hier sicher und schnell zugänglich, mit besten Straßen, nur leider relativ viel Verkehr - noch dazu auf der linken Seite! Hier muss man wie auch bei uns am Besten auch am Hinterkopf über Augen verfügen, jedoch gab es in den acht Wochen für mich vergleichbar viele brenzlige Situationen und rücksichtslose Autofahrer wie in der gleichen Zeit in der "Fahrradstadt" Erlangen. Am gefährlichsten sind hier wohl die sogenannten Minibusse, Vans die sozusagen als Großraumtaxen überall und zahlreich anzutreffen sind und auf den Straßen für ihre rabiate und teils rücksichtslose Fahrweise bekannt und gefürchtet sind. Die Sache mit dem Linksverkehr erfordert hingegen nur während der ersten Einheiten etwas erhöhte Konzentration, hier war das erhöhte Verkehrsaufkommen eher hilfreich, da ich so beim rechts Abbiegen und auf den großen Kreuzungen nur "folgen" musste, ich bekam quasi gar nicht die Gelegenheit zurück auf rechts zu wechseln. Das Terrain war stets anspruchsvoll und immer blies ein kräftiger Wind. Kaum ein Training mit weniger als 1000hm, sogar wenn ich nur zwei Stunden unterwegs war. Über die Landschaft möchte ich an dieser Stelle gar keine großen Worte verlieren, hier sprechen die Bilder denke ich ganz für sich.

Ansonsten wagte ich andere Strecken nur wenn ich mich anderen Radfahrern zum Training anschloss. Durch Zufall stieß ich im Internet auf einen gut ausgestatteten Radladen (CrownCycles) ganz in meiner Nähe mit einigen ambitionierten Radsportlern und ehemals Aktiven die mich gerne zu ihren Ausfahrten einluden und mich gewissermaßen in den südafrikanischen Radsport einführten. Mit dieser Trainingsgruppe konnte ich mein Trainingsgebiet auch auf Gebiete ausweiten, die ich sonst während meiner acht Wochen nicht vom Rad aus gesehen hätte. Eine Interessante Anekdote an dieser Stelle vielleicht noch: Wir hatten gerade die Grenze eines der größten Townships Kapstadts erreicht als uns ein weißer Pickup langsam überholte und uns sodann ausbremste. Wir sahen uns etwas verwundert an, dann klärte sich die Situation als der Fahrer anbot uns die sieben Kilometer durch das Township zu eskortieren. Interessant war diese Frage insbesondere deshalb, da die fünf farbigen Trainingspartner seit zehn Jahren Sonntags diese Straße fahren und nun erstmals mit mir als ganz hellhäutigen Fahrer dort langfuhren und prompt diese Frage gestellt wurde. Der Fahrer folgte uns tatsächlich für sieben Kilometer und bog dann nach einem kurzen freundlichen Hupen ab. Der Gruppe von CrownCycles verdanke ich es übrigens auch, dass ich zu meiner Saisonvorbereitung vier Rennen bestritt, darunter das Cape Cycle Race (vormals: Cape Argus) dem größten Radrennen der Welt. Durch meine Ergebnisse in der Vergangenheit und nach einem Gespräch mit den Renndirektor hatte ich so sogar das Glück in der ersten Gruppe mit Mark Cavendish zu starten. Interessant übrigens: Falls sich schon einmal jemand das Trikot von Etixx Quickstep ganz genau angesehen hat - auf der linken Brust ist hier Klein Constantia zu lesen, ein großes Weingut ganz in der Nähe meines Wohnortes ebenfalls am Fuße des Tafelbergs.

 

Zwar ist der Radsport in Südafrika erst weit hinter Rugby, Cricket und Fußball angesiedelt, aber dafür trotzdem an etwa vierter Stelle. Er erfreut sich gerade und insbesondere im MTB-Bereich wachsender Beliebtheit und auch wenn sich Jahr für Jahr natürlich auch tausende internationale Starter einfinden, sprechen 35.000 Starter bei der Cape Cycle Tour deutliche Worte. In diesem Jahr musste die traditionell 109km lange Strecke rund um das Kap übrigens erstmals in der Geschichte aufgrund schwerer Waldbrände verkürzt werden, auf nur 48km was vielen Startern natürlich missfiel. Trotzdem war es eine ganz eigene Stimmung als um 6:15Uhr noch vor Sonnenaufgang der Startschuss viel und sich nach und nach eine Stadt aufs Rad schwang.

 

Nachdem ich auch drei regionale Amateur/Profi-Rennen bestritten habe kann ich sagen, dass das Niveau der besseren Fahrer in etwa mit dem deutschen KT/A/B Niveau vergleichbar ist, allerdings ist das Leistungsgefälle bei den Wettkämpfen viel ausgeprägter. Es war normal, dass von 100 Startern oft nur 30 ins Ziel kamen. Was es letzten Endes bringen konnte, werde ich erst am Ende der Saison sagen können, allerdings war es eine tolle Erfahrung südafrikanische Rennen zu fahren und andere Lizenzfahrer kennen zu lernen, die ich nicht missen möchte. Hier pflegt man eine super Gemeinschaft und ist immer Herzlich Willkommen. Alles ist um Einiges unkomplizierter und einfacher!

 

Wenn ich also demnächst gefragt werde, wie es ist in Südafrika Rad zu fahren, werde ich meine Ausführungen sicher nicht mit der hohen Kriminalitätsrate beginnen, wenngleich diese ganz einfach auch Fakt ist. Es ist nur alles ein ganzes Stückchen weniger dramatisch und angenehmer als es auf den ersten Blick erscheinen mag. Trotzdem sieht man sich immer wieder mit den extremen Gegensätzen konfrontiert, auf der einen Seite der grenzenlose Reichtum speziell an der Atlantikküste mit den teuersten Villen und Grundstücken des Kontinents und auf der anderen Seite Blech- und Holzverschläge in welchen ganze Großfamilien Platz finden müssen. Auch dass das Ende der Apartheid noch keine 25 Jahre her ist, ist in vielen täglichen Situationen immer noch spürbar. Auch wenn keine offene Rassentrennung mehr herrscht und sich alle frei bewegen können und dürfen, so gibt es dennoch immer noch Trennlinien in der Gesellschaft, die sich an ausgeübten Berufen und Beschäftigungen, der täglichen Kommunikation und Einstellungen und Haltungen immer wieder demaskieren.

 

Südafrika bietet einfach unheimlich viel, angefangen von tollen Stränden, einem interessanten multikulturellen Stadtbild in Kapstadt, tollen Weingütern, die zu Tastings laden, reizvollen Wanderungen und von November bis April beständiges Wetter (ich plante mein Training nie nach dem Wetter und sah in acht Wochen keinen Regentropfen) um nur Einiges zu nennen. Deshalb mein Fazit: Südafrika ist auch und vor allem mit Rad eine Reise wert!

 

Gerne bin ich bereit konkrete Fragen zu Reisen mit dem Rad nach Südafrika wo ich kann über das Kontaktformular der Homepage zu beantworten.


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